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Reclaim-Reinvent

Reclaim-Reinvent Design-Trends betonen Umwelt- und Kostenbewusstsein und zeigen stilvolle Wiederverwendung und Wiederverwertung. Ein ökoligischer und wirtschaftlicher Wandel der die Wiederbelebung von vorhandenen Rohstoffen in kreativer und unerwarteter Weise zeigt. Innovative Ideen aus der ganzen Welt prägen den Trend.

Achille und Pier Giacomo Castiglioni zeigen als eines der ersten Beispiele ihren „Mezzadro Hocker“ 1957 aus einem Traktorsitz errichtet. Die Verwendung von gebrauchten Industriekomponenten hatte nichts mit mageren Zeiten zu tun, noch war es ein Hinweis auf Umweltbewusstsein. Stattdessen warfen die Castiglionis eine neue Sicht auf wie und von wem Objekte und Möbel hergestellt wurden, und woher Ihre Rohstoffe kommen.

Tatsächlich ist der Trend zur Wiederverwertung (Remake) und Neuerfindung (Reinvent) eine dauerhafte ästetische Bewegung die mindestens schon ein halbes Jahrhundert bewegt. Bereits 1917 produzierte Marcel Duchamp Kunst aus serienmäßig hergestellten Keramik Urinalen, nur eine von vielen Ideen seiner Karriere. Picasso nahm den Stier bei den Hörner mit seiner 1943 produzierten Skulptur des „Bull’s Head“ aus einem Fahrradsitz und Lenker. Etwa zur gleichen Zeit wurde Joseph Cornells zu einer der renommiertesten Künstler Amerikas im zwanzigsten Jahrhundert. Seine Montagen aus Funstücken sind weltbekannt.

Industriekomponenten wurden das Material der Wahl der Designer-Punks der 1980er Jahre, sie erschufen eine Punk-Rebellion aus alten Industrieabfällen und Massenware.

Ron Arad war einer der ersten Verfechter dieser post-industriellen Bewegung der 1980er Jahre. Er eröffnete 1983 mit einer Auswahl an hochgradig experimentellen Stücken aus Gerüsten und alten Autositzen die One Off-Galerie in der Londoner Neal Street. Tom Dixon und Danny Lane’s Möbel aus Schichten von Glasscherben wurden ein Medienspektakel.

Die Arbeiten damals waren charakteristisch grob geschweißtes Eisen aus Geländern, Kanaldeckeln und anderen Straßenfunden. Die Antowrt auf das Punk-Design war Dixon’s Gruppe „Creative Salvage“ 1984 die er zusammen mit Mark Brazier-Jones und Nick Jones gründete. Creative Salvage stand im direktem Gegensatz zu „teuer anonym“ und massengefertigten high-tech Produkten, ein eher dekorativer und humanistischer Ansatz zur Wiederverwertung von Schrott. Dixon selbst war kein Designer oder Künstler, desto umschstrittener wurden seine Ergebnisse.

Umso mehr die Bewegung an Dynamik gewann begannen exklusive Einzelstücke extrem hohe Preise zu erzielen. Die zuvor Anti-Konsumethik begann zu verblassen.

Die Bewegung schien fast gebrochen als in den 1990er Jahren die Castigllone Brüder mit ihrer originellen Idee der „Fix bench“ für De Padova erschienen. Der neue ironische Unterton inspirierte den britischen Designer Jasper Morrison zu seinem Tisch aus Terrakotta Töpfen, der später von Cappellini produziert wurde.

Nach Morrison, folgte eine ganze Generation Designer der Einfachheit, Ökonomie und Eleganz der recyelter Möbel und Einrichtung. 1992 inszenierte der Design Historiker Renny Stampfer eine Ausstellung von Möbeln niederländischer Designer mit kostengünstigen industriellen Materialien und Fundstücken wie Treibholz. Seine Ausstellung ging auf Tournee in den Niederlanden und Belgien, und die Stücke von Designern wie Jan Konings und Jurgen Bey, Piet Hein Eek und Tejo Remy wurden weithin anerkannt. Stampfer  gründete „Droog Design“ mit dem Produktdesigner und Professor an der Design Academy in Eindhoven, Gijs Bakker 1993. Droog Design entwarf Marcel Wanders „Set Up Shade“ Lampe und mehr. Der einzigartige Humor der Droog Sammlungen machte sie zum Hit. In den USA bauten Konstantin und Laurel Boym ihren Ruf mit Möbeln aus alten Sears Küchengeräten. Der erfrischende Humor der Boyms inspirierte auch den britischen Designer Michael Marriot zu seiner Kommode aus Sardinenbüchsen.

Der niederländische Designer Jurgen Bey nahm einen anderen Ansatz und verband alte Gegenstände mit neuen Technologien. Sein Kokon Möbel-Programm von 1999 bestand aus alten, in PVC gehüllte, Stühle und Tische. Ihre uhrsprüngliche Form war deutlich erkennbar und wie in einer Zeitkapsel versiegelt.

Tord Boontje veröffentlichte 1994 seine „Rough and Ready“ Sammlung. Möbel aus Fundholz und recycelten Materialien. Boontje hatte gerade sein Design Studium abgeschlossen und stellte die Relevanz des Designs in Frage, in einer Welt in der eine große Zahl von Menschen noch mit provisorischen Möbeln lebte. Seine absichtlich schlechte Produktionsqualität und kontroversen Designs trafen den Nerv der Generation. Boontje veröffentlichte seine Baupläne für Heimwerker und verkaufte Zehntausende seiner Werke.

In zeitgenössischer Kunst begannen immer mehr Künstler gebrauchtes Material als Rohstoff zu nutzen. Künstler wie Lei Fitzmaurice wurden als „städtischer Andy Goldsworthy“ beschrieben. Die bekanntesten Projekte zwischen 2004 und 2006 in Berlin, London, Shanghai, Stavanger, Zürich und seiner Heimatstadt Liverpool waren die Kunstwerke aus Katalogen, Flyern oder Karton. Fritzmaurice Projekte wie „Craterform“ zeigten das Katalog Shopping als Schwarzes Loch der Generation, durch die Ausstellung des bekannten Katalogs des „British Argos“ mit Löchern in jeder Seite.

Reclaim-Reinvent ist die Antwort auf viele ernste Fragen der Welt und Designer haben als selbsternannte Problemlöser viele Gründe gefunden um dies zu Ihrer Arbeit zu machen.

Seien es Umweltbelange oder wirtschaftliche Zwänge, die Motivation zu Reclaim-Reinvent wird nie aufhören. Im Laufe der Jahrzehnte umfasst die Bewegung Kunst, Design, Architektur und Handwerk gleichermaßen und ist zeitlos in Definition.

Die unterschiedlichen Traditionen des Recycling und der Wiederverwendung inspiriert Gemeinden auf der ganzen Welt und vereint Generationen. Galt es in der Vergangenheit noch als knauserisch, so beleben Künstler, Liebhaber und Aktivisten in der ganzen Welt diesen imagebewussten Trend heute.

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